Titelild: Karl Zimmermann, Zeichnung vom Dauerbad im Skizzenbuch „Zeichnungen des Epileptikers Karl Zimmermann“, 1905/1906 (Inv.Nr. 1360) ©SammlungPrinzhorn, Universitätsklinikum Heidelberg

DAUERBADEN ist der Titel der Audioinstallation, die in der Ausstellung »On Water« ab dem 10. Oktober 2025 im Humboldt Labor zu sehen und/oder zu hören ist.
Es ist aber auch der Titel der künstlerischen Forschungspraxis von Angela Alves, mit der sich die chronisch kranke Choreografin fortlaufend beschäftigt.

© DAUERBADEN in der Ausstellung »On Water« im Humboldt Labor.
Badewasser in Präparategläsern aus dem Depot des Berliner Medizinhistorischen Museum der Charité

DAUERBADEN im Humboldt Labor
Die mit Badewasser gefüllten Präparategläser verweisen auf eine medizinische Behandlungsmethode, die bis Mitte des 20. Jahrhunderts in psychiatrischen Einrichtungen angewendet wurde. Während der sogenannten „Dauerbadtherapie” mussten Patient*innen über Tage, Wochen und sogar Monate baden. Angela Alves spürt der Geschichte dieser Personen und Behandlungspraxis nach. Inspiriert von Elizabeth Faulhabers Zeichnung (siehe oben), die sich zeichnend eine weitere Person zu sich in die Wanne imaginiert, lädt Angela Alves andere chronisch kranke Frauen in ihre private Badewanne ein, um gemeinsam zu baden und zu sprechen. Über die Zeichnungen der Dauerbadpatient*innen Elisabeth Faulhaber, Maria Puth und Karl Zimmermann, über das Baden selbst und über die Erfahrungen der »kranken Frau« im medizinischen System heute. Sowohl das Badewasser, in dem diese Gespräche stattfanden, als auch die Gespräche selbst werden auschnitthaft gesammelt und aufbewahrt. Vier Zusammenschnitte dieser Wannengespräche werden in der Ausstellung »On Water« über eine Hörmuschel zugänglich gemacht. Sie sind um die 7 Minuten lang und über einen Button einzeln anwählbar. Das dazugehörige Badewasser wurde in jeweils eines der vier Präparategläser aus dem Depot des Berliner Medizinhistorischen Museum der Charité umgefüllt und ist ebenfalls Teil der Ausstellung.

Über die Badenden:

Daniela Dröscher
gebadet am: 11. Juli 2025
Dauer des Bads: 2,5 Stunden
Dauer des Audioclips: 7’44“
Thema: Bloody History. Die kranke Frau erzählen
Daniela Dröscher ist Bestseller-Autorin und hat gerade ein autofiktionales Buch über die kranke Frau geschrieben. In der Wanne erzählt sie mir, was daran gefährlich ist und warum die kranke Frau in ihrem Buch sich fragt, ob man Ärzte eigentlich verklagen kann.
Das Buch heißt »Junge Frau mit Katze« und ist im August 2025 bei Kiepenheuer & Witsch erschienen.

Silke Hofmann
gebadet am: 27. Juni 2025
Dauer des Bads: 2 x 2,5 Stunden
Dauer des Audioclips: 7′
Thema: Fehldiagnose. In die Psychiatrie geschrieben
Silke ist Sozialarbeiterin und hat seit Jahrzehnten chronische Schmerzen. Hauptsächlich Gliederschmerzen und Fatigue. Das ist auch nicht verwunderlich, denn Silke hat eine Herzerkrankung. Leider weiß sie davon sehr lange nichts, denn Silkes Herz wird von den vielen verschiedenen Ärzt*innen, die sie im Laufe der Jahre aufsucht, nicht untersucht. Aufgrund ihrer Symptomatik erhält sie stattdessen die Diagnose »mittelschwere Depression«.

Annekathrin Walther
gebadet am: 24. April 2025
Dauer des Bads: 2 Stunden
Dauer des Audioclips: 6’43“
Thema: MS-Geschichten aus der Neurologie
Annekathrin weiß richtig viel über ihr Nervensystem, denn sie erhielt vor 25 Jahren eine MS-Diagnose – eine Erkrankung, bei der sich das Gehirn und Rückenmark entzünden und deren Ursache nicht erforscht ist. MS gilt – wie die meisten chronischen Erkrankungen – als unheilbar. Ihren Neurologen sieht Annekathrin 40 Minuten im Jahr. In dieser Zeit besprechen sie die letzen MRT-Aufnahmen und die Verträglichkeit der Medikamente. Annekathrin Walther ist Autorin und Co-Herausgeberin des Onlinemagazins »krank«: https://www.krank-dasmagazin.de/.

Isot Lang
gebadet am: 04. Juli 2025
Dauer des Bads: 2,5 Stunden
Dauer des Audioclips: 7’39“
Thema: Über Krankheitseinsicht und Elektroschocks
Isot hat Psychiatrieerfahrung und erzählt aus der Perspektive einer selbstbestimmten Patient*in über die Zuschreibung von echten und ausgedachten Diagnosen, über normale Reaktionen auf unnormale Umstände und ihren Erfahrungen mit der Elektrokonvulsionstherapie (EKT). Isot ist Schauspielerin und arbeitet zur Zeit im Künstlerischen Betriebsbüro eines Berliner Theaters.

Möchtest du auch mit mir baden?
Gerne! Bitte schreib eine E-Mail an: angela.alves (at) berlin.de

DAUERBADEN enstand in Kooperation mit dem Berliner Medizinhistorischen Museum de Charité, dem Humboldt Labor und dem Hochschulübergreifenden Zentrum Tanz Berlin (HZT).

Ein ganz großes Dankeschön geht an die wunderbaren Dauerbadgästinnen Daniela Dröscher, Silke Hofmann, Isot Lang und Annekathrin Walther. Tausend Dank für euren Mut und euer Vertrauen, eure klugen Gedanken und euer Wasser. Vielen Dank an Monika Ankele, die strahlend mit mir aus dem Bett in die Badewanne gehopst ist, an Susanne Adam und Agnes Ehlich fürs Lesen, Schreiben, Putzen und an meiner Seite sein und an das gesamte Crip/Choreo/Care-Team vom HZT. Vielen Dank auch an Anna-Lisa Dieter und das Team des Humboldt Labor sowie das Präparateglas-Team des Berliner Medizinhistorischen Museum der Charité.
Ein spezielles Dankeschön geht raus an Saša Asentić für die künstlerische Care-Arbeit, Volker Wydra für die biotopische Beratung und an die Tonchirurgen Jochen Hindenburg und Walter Freitag für die tontechnische Notfalloperation.

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